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Telekommunikation

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday

T-Aktie zeigt sich dank US-Tochter von ihrer starken Seite

Die Deutsche Telekom und ihr US-Joker

Wird es der Telekom gelingen, ihre amerikanische Tochter T-Mobile US unter die Haube zu bringen? Diese ungeklärte Frage lässt Anleger bei der T-Aktie vorsichtig agieren - nur heute nicht: Die Problemtochter wirkt dank Millionen neuer Kunden attraktiver als bisher.

Die neue Quartalsbilanz des einstigen Sorgenkindes zeigt ein rasantes Wachstum: Im dritten Quartal haben sich 2,3 Millionen neue Kunden für T-Mobile US entschieden. Damit macht der Mobilfunker mehr Tempo als vor einem Jahr, als die Zahl der Neukunden noch bei einer Million lag. Insgesamt kommt das einstige Sorgenkind der Telekom nun auf knapp 53 Millionen Kunden. Die US-Tochter ackert als Nummer vier im hart umkämpften US-Mobilfunkmarkt ganz schön, um ihre Marktanteile in Amerika weiter auszubauen.

Werbeoffensive geht ins Geld

Das gelingt nur mit massiver Werbung – und die geht ins Geld. Unter dem Strich rutschte der amerikanische Ableger der Bonner daher wieder tiefer in die roten Zahlen. Das Minus betrug 94 Millionen Dollar oder zwölf Cent je Aktie nach 36 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Analysten hatten damit nicht gerechnet, sie waren von einem Gewinn von einem Cent je Aktie ausgegangen.

Der Umsatz kann dank der vielen neuen Kunden ausgebaut werden, er kletterte um zehn Prozent auf 7,4 Milliarden Dollar. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen trat aber im Jahresvergleich auf der Stelle und ging zum Vorquartal um sieben Prozent zurück auf 1,3 Milliarden Dollar. Die Telekom musste auch noch höhere Kosten für den Zusammenschluss mit dem Regionalanbieter MetroPCS verkraften.

T-Mobile-Shop in New York

T-Mobile-Shop in New York. | Quelle: picture-alliance/dpa

T-Mobile hebt Prognose an

Um den wesentlich größeren Konkurrenten AT&T und Verizon Kunden abzuluchsen, hat die Telekom-Tochter zudem Milliarden in den Netzausbau investiert. Trotz starkem Kundenzulauf liegt der Mobilfunker aber ebenso wie die Nummer 3 auf dem Markt, der vom japanischen Softbank-Konzern kontrollierte Rivale Sprint, noch weit hinter den Branchenführern.

Immerhin gewinnt T-Mobile US nun mit Blick auf die Wachstumsaussichten an Selbstvertrauen. In diesem Jahr sollen bis zu 4,7 Millionen neue Vertragskunden hinzukommen. Das Ziel liegt 1,2 Millionen höher als die erst im Juli angehobene Marke.

T-Aktie kommt in Fahrt

An der Börse kommt all das ganz gut an. Die Aktie von T-Mobile US legt in Frankfurt um gut drei Prozent zu, was auf die T-Aktie abfärbt, die in gleichem Maße gewinnt. Der Telekom-Kurs klettert bis auf 11,44 Euro. Das Geschäft in den USA sei besser als erwartet gelaufen, urteilten die Analysten von Equinet. Ein Händler sprach von soliden Zahlen. Die Kundenzahl habe sich besser entwickelt als gedacht. Mit Blick auf die Gesamtjahresprognosen entstehe langsam aber sicher Luft nach oben.

Ein riskantes Investment

Der springende Punkt bleibt aber: Kann die Telekom das US-Geschäft verkaufen und wenn ja, zu welchem Preis? Oder behält man die Tochter? Schließlich ist das starke Wachstum in den USA ein netter Ausgleich zur Schwäche in Deutschland und Europa. Aber ungewiss ist auch dann, ob die US-Tochter alleine am Markt überleben könnte. Wegen all dieser Fragen steht auch hinter der T-Aktie ein Fragezeichen, bindet doch die Tochter viel Kapital in den Vereinigten Staaten. Allerdings bietet sich eine Chance auf Kursgewinne, wenn sich nach mehreren gescheiterten Verkaufsversuchen doch noch ein Käufer für das US-Mobilfunkgeschäft findet.

Infrage kommt laut Medienberichten etwa der mexikanische Konzern America Movil, der in den USA mit seiner Mobilfunkmarke TracFone ohne eigene Netze präsent ist. Auch Internetkonzernen wie Google oder dem Satelliten-TV-Betreiber Dish wird Interesse nachgesagt.

Immer wieder haben derartige Spekulationen den Kurs der T-Aktie beflügelt, der kurzzeitige Aufschwung im September zum Beispiel hat Iliad dafür gesorgt. Der französische Internet- und Telefonkonzern Iliad stellte sein Buhlen kürzlich ein, nachdem er zweimal abgeblitzt war. Iliad hatte den US-Mobilfunker für 20 Milliarden Dollar schlucken wollen.

Im Mai noch hatte Sprint noch die T-Aktie beflügelt und auf ein langjähriges Hoch bei 13,11 Euro getrieben. Der Kauf des US-Geschäftes an den Rivalen schien schon unter Dach und Fach, doch wegen des zu erwartenden Widerstands der Kartellbehörden zog sich Sprint dann zurück. Auch der Konkurrent AT&T war vor drei Jahren mit seinem  Übernahmeversuch gescheitert. Die Wettbewerbshüter in den USA hatten den schon ausgehandelten 39-Milliarden-Dollar-Deal torpediert. Eine Wette auf die T-Aktie bleibt also auch in Zukunft eine einigermaßen spekulative Entscheidung.

bs

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