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Aktie des Tages

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Wer hätte das gedacht

RWE, der neue Star im Dax

Stand: 08.02.2016, 08:38 Uhr

Kaum eine deutsche Aktie ist in den vergangenen Jahren so unter die Räder gekommen wie das RWE-Papier. Aber zuletzt ging es gegen den Markt bergauf. Ist die Leidenzeit jetzt vorbei?

Lange Jahre galten sie als "sicherer Hafen", als "Witwen- und Waisenpapiere" oder in der Börsensprache schlicht als "defensive Aktien" - gemeint waren die Versorgeraktien. Prominenteste Vertreter dieser Gattung auf dem deutschen Kurszettel sind und waren die beiden Branchenvertreter RWE und Eon.

Im Leitindex Dax finden sich beide Unternehmen auch heute noch. Ansonsten hat sich aber seit der Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 (fast) alles geändert, so dass keine der obigen Bezeichnungen mehr zutreffend wäre. Denn beide mussten und müssen immer noch um ihre Existenz kämpfen, nachdem die Politik mit dem schnellen Atomausstieg die Geschäftsmodelle der Versorger bedrohlich in Frage gestellt hatte.

Die RWE-Aktie stürzte im Gefolge von 51 Euro zu Jahresanfang 2011 bis auf etwas über neun Euro im September 2015 ab. Im Allzeithoch stand das Papier vor der Finanzkrise Anfang 2008 sogar bei etwas über 100 Euro.

Aktie zuletzt wieder gefragt

Eine kaum mehr zu überbietende Leidenszeit für die Aktionäre und ein Chartbild, das sonst nur auf Pleitekandidaten passen würde. Aber von Untergang kann keine Rede sein, im Gegenteil. RWE ist dabei, sich neu aufzustellen und das weckt die Fantasie der Börse.

Eon
Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,81
Differenz absolut
-0,03
Differenz relativ
-0,31%

War bisher jeder Einstieg ein Fehler, scheint sich das Bild nun zu wandeln. Denn seit Jahresanfang hat die Aktie immerhin 9,56 Prozent zugelegt (Stand: 5.2.2016), der Leitindex Dax hingegen 13,56 Prozent verloren. Ähnlich übrigens die Entwicklung beim Konkurrenten Eon. Dessen Papier hat seit Jahresanfang 6,43 Prozent hinzugewonnen.

Aufspaltung weckt Fantasie

Atomkraftwerk

Atomkraftwerk. | Bildquelle: colourbox.de

Fundamental ist es natürlich die Aufspaltung des Konzerns in zwei neue Gesellschaften, die an der Börse gut ankommt. Die erneuerbaren Energien sowie das Netz- und Vertriebsgeschäft werden dabei in einer neuen Tochter gebündelt und Teile sollen noch in diesem Jahr an die Börse gebracht werden. Starttermin ist der 1. April. Im 'Mutterkonzern' verbleibt das "alte" Geschäft, also Öl, Gas und Atomkraftwerke - mit all seinen Problemen, die dem Unternehmen in der Vergangenheit so zugesetzt haben.

Immer wieder die Altlasten

Und diese sind noch lange nicht abgehakt, wie erst heute am Morgen bekannt wurde. Denn weiter gibt es mit dem Staat Streit darüber, wer wie hoch für die Kosten der atomaren Altlasten in Deutschland aufkommen wird. Wie der "Spiegel" am Morgen schreibt, zeichnet sich bei den Verhandlungen über die Finanzierung nun ein Kompromiss ab.

Demnach soll ein Fonds gebildet werden, der sich zum Teil aus den Rückstellungen der Versorger speist. Rückbau und Entsorgung der Atommeiler bleiben aber auch weiterhin bei den Unternehmen. Das ist an sich nichts Neues, heißt es aus dem Handel. Aber die Unsicherheit über die milliardenschweren Kosten könnte zukünftig auf der Aktie lasten. Es bleibt also weiterhin Vorsicht geboten, zu viel Euphorie wäre nicht angebracht.

Neues Personal am Start

 Peter Terium, Vorstandsvorsitzender von RWE

Peter Terium, Vorstandsvorsitzender von RWE. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Aber die Neuausrichtung ist unumkehrbar. Dazu passt, dass RWE auch personell die Weichen gestellt hat. Mit dem altgedienten Vorstandsmitglied Rolf Martin Schmitz wird ein bekanntes Gesicht auf dem RWE-Chefsessel Platz nehmen. Peter Terium, der bisherige Firmenchef, soll die neue Tochtergesellschaft führen, für die es noch keinen Namen gibt.

Wer letztendlich beim Machtpoker an der Spitze des Konzerns als Sieger dastehen wird, muss sich noch zeigen. Terium dürfte zukünftig sicher die besseren Geschäftszahlen präsentieren, auch wenn er in der Hierarchie jetzt einen Rückschritt hinnehmen muss. Es hieß, er habe zunächst in Personalunion die Führung beider Gesellschaften angestrebt, der Aufsichtsrat habe ihm aber einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Zu fragen bleibt auch, wer im Machtpoker die Gunst der Kommunen erlangen wird, die mir rund einem Viertel der Anteile noch immer der größte Einzelaktionär bleiben. Gegen ihren Willen dürfte im Konzern auch weiterhin nur schwer etwas umzusetzen sein.

rm

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