Priceline: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Aktie des Tages Priceline: Knick im Höhenrausch

Stand: 19.05.2017, 13:11 Uhr

Immer mehr Menschen buchen ihren Urlaub im Internet - und landen dabei in der Regel auf Webseiten großer US-Unternehmen, allen voran denen von Priceline. Der spektakuläre Lauf dieser Aktie hat zuletzt allerdings einen herben Rückschlag erlitten. Eine kurze Verschnaufpause oder eine Trendumkehr?

Tatsächlich hat die Priceline-Aktie in der vergangenen Woche ihren Höhenflug abrupt beendet und ist von ihrem noch am Montag erklommenen Rekordhoch von 1.917 Dollar auf zuletzt 1.796 Dollar gefallen. Kein allzu dramatischer Einschnitt auf mittlere Sicht, ist das Papier doch bei 1.466 Dollar in das Jahr gestartet und hat damit in weniger als einem halben Jahr gut 20 Prozent an Wert zugelegt.

Doch bei Priceline sind die Erwartungen der Anleger derart hoch, dass schon die kleinste Verfehlung der Prognosen zu empfindlichen Gewinnmitnahmen führt. So hat der Reiseportalbetreiber, dessen bekannteste Marke wohl "booking.com" sein dürfte, Umsatz und Gewinn im ersten Quartal etwas weniger stark gesteigert als Analysten erwartet hatten.

Sandstrand von Aitutaki, einer der Cook Inseln

Reiseziel Cook-Inseln. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Gewinnerwartungen verfehlt

Der Umsatz legte um 13 Prozent auf 2,42 Milliarden Dollar zu. Analysten hatten mit 2,44 Milliarden gerechnet. Auch beim Gewinn konnte Priceline die Erwartungen nicht ganz erreichen. Pro Aktie wurde ein Gewinn von 9,88 Dollar ausgewiesen, weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, als 10,54 Dollar erreicht wurden. Besonders sauer aufgestoßen sind den Anlegern aber die Aussichten für das laufende zweite Quartal. Sie liegen bei einem erwarteten Gewinn pro Aktie von 13,30 bis 14 Dollar deutlich unter den Schätzungen der Experten, die von mindestens 15 Dollar ausgegangen waren.

Damit läuft das Unternehmen Gefahr, auch den erwarteten Jahresgewinn von 75 Dollar pro Aktie zu verfehlen. Sollte dies der Fall sein, würde das der Aktie einen weiteren Dämpfer versetzen. Bisher hatte die Aktie des 1997 gegründeten Reiseportals einen spektakulären Lauf, ist sie doch binnen einer Dekade um sagenhafte 3.000 Prozent gestiegen. Allein seit Anfang 2013 hat sich ihr damaliger Wert von 600 Dollar verdreifacht. Und bei einem KGV von zuletzt 24 scheint sie noch immer nicht zu teuer.

Analysten sind noch zuversichtlich

Die meisten Analysten raten deshalb noch immer zum Kauf. So rechnet Paul Bieber von der Credit Suisse wegen des stabilen Geschäftsumfelds in den USA und stärkerer Trends in Europa mit einem positiven Überraschungspotenzial, denn die Reiselust der Menschen in den westlichen Staaten ist ungebrochen. Er erwartet, dass Priceline den Gewinn je Aktie im nächsten Jahr auf 85 bis 86 Dollar steigern wird. Dazu hat er das Kursziel von 1.935,00 auf 2.050 Dollar heraufgesetzt.

Doch die Konkurrenz schläft nicht und ist fest entschlossen, dem Rivalen das leben so schwer wie möglich zu machen. Zwar hat Priceline - ebenso wie sein ärgster Konkurrent Expedia - systematisch kleinere Konkurrenten aufgekauft und damit einen allzu harten Wettbewerb verhindert. So schnappte sich der Konzern zuletzt das Vergleichsportal Kayak für 1,8 Milliarden Dollar. Dennoch wehrt sich eine zunehmende Zahl von Hotels gegen die aus ihrer Sicht unfairen Bedingungen von booking.com. Der Anteil der Direktbuchungen bei Hotels ist deshalb zuletzt wieder deutlich gestiegen, zu Lasten von Onlineportalen wie Booking, Tripadvisor oder Expedia.

Es kann also nicht ausgeschlossen werden, dass die Aktie inzwischen ihren Zenit überschritten hat und die verfehlten Erwartungen im ersten Quartal eine erste Warnung in dieser Richtung waren.

lg

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