Seitenueberschrift

Halbleiter

Nvidia: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Nach dem Hype 2016

Nvidia: Ist jetzt Schluss mit Rekorden?

Stand: 05.01.2017, 15:27 Uhr

Der US-Grafikchip-Hersteller Nvidia war 2016 der Highflyer des Jahres. Die Aktie sprang bis Ende Dezember auf 120 Dollar, fast vier Mal so hoch wie zu Beginn des Jahres. Doch seitdem ist Schluss mit dem Höhenflug. Was ist da los?

Tatsächlich ist das Papier in den ersten Handelstagen nach Weihnachten plötzlich in die Knie gegangen und bis auf 100 Dollar eingebrochen. Inzwischen hat sich der Kurs wieder stabilisiert, notiert aber bei zuletzt gut 104 Dollar immer noch deutlich unter seinem am 28. Dezember erreichten Höchststand von knapp 120 Dollar. Musste Nvidia seine Prognose kappen und eine Gewinnwarnung aussprechen? Mitnichten.

Das für seine vielfältigen Anwendungen, darunter Computerspiele, Virtual Reality, Künstliche Intelligenz oder den Automotive-Bereich bekannte Unternehmen ist Opfer eines Short-Sellers geworden. Der aktivistische Hedgefonds mit dem poetischen Namen Citron Research hat am 29. Dezember verkündet, dass Nvidia viel zu teuer sei und eigentlich nicht mehr als 90 Dollar kosten dürfte.

Drei Gründe für das Ende des Höhenflugs

Die Gründe dafür lieferte Gründer Andrew Left, der den jahrelangen Betrug bei dem Pharmakonzern Valeant aufgedeckt hatte, auch gleich mit: Nvidia habe eigentlich keine neuen Märkte erobert, sondern verdanke seinen jüngsten Erfolg dem Konkurrenten AMD. Zudem sei Nvidia in einem immer wettbewerbsintensiveren Markt unterwegs, was 2017 den Druck auf die Margen erhöhen werde. Auch drohe Nvidia Ärger wegen umstrittener Markenrechte. Wegen einer gemeinsamen Lizenz mit Intel werde es 2017 zu Gewinnbelastungen kommen.

Das genügte, um die Euphorie der Vorwochen mit einem Schlag zu beenden und viele Anleger in die Flucht zu schlagen. Dabei hatte erst wenige Tage zuvor Goldman Sachs den Chiphersteller in höchsten Tönen gelobt und ihm ein langanhaltendes Wachstum in Aussicht gestellt. Analyst Toshiya Hari betonte in einer Studie, das Unternehmen sei eine "einzigartige Wachstumsstory" in der Chipindustrie. Er verwies dabei auf nachhaltig positive Erwartungen bei vielfältigen Anwendungen, darunter Computerspiele, Virtual Reality, Künstliche Intelligenz oder den Automotive-Bereich.

Goldman bleibt bullish

Hari nahm die mit "Buy" eingestuften Papiere deshalb auf die "Conviction Buy List" von Goldman Sachs. Gleichzeitig hob er das Kursziel von 92 auf 129 Dollar an. Er begründete das höhere Ziel mit nach oben geschraubten Gewinnschätzungen je Aktie für die Jahre 2018 und 2019, die um mehr als die Hälfte über den Marktschätzungen lägen. Positive Revisionen dürften in den kommenden Quartalen zum Kurstreiber für die Nvidia-Papiere werden.

Nvidia Drive PX

Nvidia Drive PX . | Bildquelle: Unternehmen

Inzwischen haben sich andere Analysten der Einschätzung von Goldman angeschlossen. Dazu gehört der Nomura-Analyst Romit Shah. Er warnte die Anleger davor, Nvidia vor einem für die Chipindustrie so wichtigen Event wie der Elektronikmesse CES in Las Vegas zu verkaufen. Vielmehr seien solche Veranstaltungen oft die Gelegenheit für die Firmen neue Allianzen zu verkünden, die der Aktie Auftrieb verschaffen könnten.

Neue Überraschungen aus der Bilanzsaison?

Tatsächlich verkündete Audi gemeinsam mit Nvidia ein selbstfahrendes Auto mit künstlicher Intelligenz entwickeln zu wollen. Das Fahrzeug soll in drei Jahren, also 2020, auf die Straße kommen, sagte Nvidia-Chef Jen-Hsun Huang. Zugleich gab Nvidia eine Kooperation mit den deutschen Zulieferern Bosch und ZF bekannt, die den vom Grafik-Spezialisten entwickelten Auto-Computer produzieren werden. Er soll unter anderem für das autonome Fahren Sorgen. Während der Mensch lenkt, tritt die Software zudem als eine Art Autopilot auf und warnt zum Beispiel vor potenziellen Gefahren im Verkehr.

Außerdem kooperiert Nvidia mit Google für die Integration des digitalen Assistenten des Internet-Konzern in ein Fernsehgerät. Zur eigenen Konsole "Shield" will Nvidia kleine Mikrofone für die Steckdose verkaufen, die den Google Assistant per WLAN überall im Haus verfügbar machen sollen.

Glaubt man dem Nomura-Analysten, könnte die Ende Januar startende Berichtssaison der Chiphersteller weitere positive Überraschungen aus dem Nvidia-Konzern bringen. Gut möglich also, dass sich Short-Seller Citron diesmal in seiner Einschätzung geirrt hat.

lg

Darstellung: