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Nokia: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra EU Stars für den Zeitraum 6 Monate

Experten spekulieren über strategische Neuausrichtung

Nokia: Heißes Spiel mit NSN

Die Nokia-Aktie gilt aktuell als eine der heißesten Turnaround-Spekulationen am Markt. Doch nun scheint Nokia selbst unter die Zocker zu gehen. Mit der vollständigen Übernahme von NSN haben sich die Finnen jedenfalls auf eine riskante Wette eingelassen.

Es ist eine Wette auf die weltweite konjunkturelle Erholung. Zwar war das Geschäftsjahr 2012 für Nokia Siemens Networks erstaunlicherweise profitabel verlaufen. Doch die nächste globale Rezession würde NSN schlagartig zurück ins Rot befördern. Da sind sich Branchenkenner einig.

Keine Peanuts

Zum geschäftlichen Risiko, das sich Nokia mit der vollständigen Übernahme von NSN aufhalst, kommt der Kaufpreis von 1,7 Milliarden Euro hinzu. Auch wenn nun einige Experten betonen, wie günstig das doch sei: Für Nokia sind das keine Peanuts. Schließlich kann man die Finanzlage des Nokia-Konzerns mit Fug und Recht als angespannt bezeichnen.

So hatten die Finnen per Ende März 2013 nur noch 3,8 Milliarden Euro liquide Mittel. Sogar die Dividendenzahlungen wurden gestoppt, um die Cash-Reserven zu schonen. So dicke hat es Nokia also keineswegs, dass es sich den NSN-Kauf mal eben locker leisten kann.

Der große Plan?

Zu allem Überdruss will Nokia die Komplettübernahme von NSN über Bankdarlehen fremdfinanzieren. Analyst Markus Friebel von Independent Research wertet den Zukauf daher negativ. Dadurch werde sich die "ohnehin schon angespannte Schuldensituation" bei Nokia weiter verschlechtern.

Warum also geht Nokia solch beachtliche Risiken ein? Branchenkenner und Tech-Blogger munkeln nun, die NSN-Komplettübernahme könnte Teil eines viel größeren Plans sein: Nokia plane, sich von seiner Mobilfunksparte zu trennen und zu einer Art Mini-Ericsson zu wandeln.

Käufer gesucht

Eine solche strategische Neuausrichtung würde in der Tat Sinn machen. Hintergrund ist die anhaltend schlechte Performance der Mobilfunksparte. Hier lassen die großen Erfolge, selbst mit den neuen Smartphones der Lumia-Reihe, nach wie vor auf sich warten.

Nokia Lumia 920

Die Verkaufszahlen des Nokia Lumia 920 sorgten zuletzt für Enttäuschung

Doch sollte Nokia eine solche strategische Neuausrichtung tatsächlich vollziehen wollen, so müsste es erst einmal einen Käufer die notorisch schwache Handy-/Smartphone-Sparte finden. Zuletzt waren entsprechende Verhandlungen mit Microsoft ergebnislos abgebrochen worden.

Wichtige Marken

Die Nokia-Aktie kann von derartigen Spekulationen allerdings nur profitieren. Nach Bekanntgabe des NSN-Coups am Montag hat sie bei 3,11 Euro ein Vier-Monats-Hoch markiert.

Damit schreibt der Titel seinen Aufwärtstrend seit dem April-Tief fort. Unter dem Verweis auf mehrere technische Indikatoren war Jörg Scherer, Leiter Technische Analyse bei HSBC Trinkaus, bereits Ende Juni zu dem Schluss gekommen: Die Nokia-Aktie befindet sich in einem "übergeordneten Bodenbildungsprozess".

Um das positive technische Szenario nicht zu gefährden, sollte die Nokia-Aktie nun allerdings das jüngste Verlaufstief bei 2,28 Euro nicht mehr unterschreiten.

ag

Stand: 02.07.2013, 13:31 Uhr

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