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Wässerige Träume vom Aktien-Comeback
Commerzbank – Auferstehung eines gefallenen Engels?
von Bettina Seidl
Es gab eine Zeit, da war die Commerzbank-Aktie mal 30 Euro wert, ach sogar fast 50 Euro. Einige Kapitalerhöhungen später ist die Bank nur noch ein Schatten ihrer selbst. Mancher glaubt an die Wiederauferstehung des "gefallenen Engels". Der Verwässerungseffekt spricht dagegen.
Kann die Commerzbank-Aktie zu neuem Höhenflug erwachen?
Für viele sehen sie verführerisch aus: Aktien, die in Krisenzeiten stark gefallen sind. Bisweilen geht die Strategie auf, und diese so genannten "gefallenen Engel" erblühen zu neuem Glanz.
Doch die Wahrscheinlichkeit, dass sie am Boden bleiben, ist hoch. Einer der häufigsten Anlegerfehler ist es denn auch, fallende Engel zu kaufen.
Wie ist es bei der Commerzbank-Aktie? Sie hat bisweilen mit der Ein-Euro-Marke geflirtet, notiert derzeit um die 1,60 Euro. Bei Deutschlands zweitgrößter Bank ist es nicht allein eine Frage, ob sie wirtschaftlich wieder zu alter Kraft findet. Sie kann allein wegen der vielen Kapitalerhöhungen gar nicht zu alten Aktienkursen von 30 oder gar 50 Euro steigen.
Hochfliegende Träume der Börsenphantasten
"Das werden Sie und ich nicht mehr erleben", sagt Philipp Häßler vom Researchhaus Equinet. Denn heute sind viel mehr Aktien der Bank im Umlauf: 5,8 Milliarden Papiere. Die fast 9-fache Zahl von 2007, als die Aktie noch 30 Euro kostete. Würde man den irrationalen Träume mancher Börsenphantasten folgen und einer Berechnung unterziehen, brächte die Commerzbank mehr als 170 Milliarden Euro auf die Börsenwaage.
Machbar sind laut Bank-Experte Häßler auf mittlere Sicht maximal drei bis vier Euro. "Der Buchwert liegt bei vier Euro", so der Experte. Das könnte die Bank in drei bis vier Jahren realistischerweise erreichen. "Das ist zumindest denkbar, wenn sich die Marktbedingungen nicht wieder verschlechtern, die Eurokrise sich nicht verschärft und keine neuen Leichen im Keller der Commerzbank auftauchen", sagt Häßler.
Wie hoch kann der Commerzbank-"Engel" fliegen?
Das deckt sich in etwa mit Berechnungen, wenn man versucht, den Verwässerungseffekt herauszurechnen. Im Jahr 2007, bevor die Welt der Commerzbank einbrach, war das Institut an der Börse bis zu 25 Milliarden schwer. Das war lange vor der Eurokrise, die Immobilienkrise braute sich in Amerika gerade zusammen. Das war vor dem Kauf der Dresdner Bank, die sich als Klotz am Bein entpuppte. Die Tochter Eurohypo war noch nicht in den Strudel der Krise gezogen worden.
Würde sich die Bank wieder mausern, ihre Probleme in den Griff bekommen und je wieder 25 Milliarden Börsenkapitalisierung erreichen, dann müsste der Kurs einer Aktie auf 4,30 Euro steigen. Für manchen Investor, der auf die "Gefallene Engel"-Strategie setzt, mag das zu wenig Chance bei zu viel Risiko sein.