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Bechtle: Hopp oder Top?

Um mehr als 15 Prozent ist die Aktie des IT-Dienstleisters Bechtle seit Bekanntgabe der starken Zahlen des Schlussquartals 2012 bereits gestiegen. Ist die Hausse nun erst einmal beendet oder hat das Papier noch Luft nach oben?

An guten Nachrichten herrscht bei Bechtle kein Mangel. Nach Veröffentlichung der Jahresbilanz Ende Januar verkündete das Neckarsulmer Unternehmen in der vergangenen Woche eine wichtige Personalie: Danach wurde der Vertrag von Vorstandschef Thomas Olemotz bis Ende 2017 verlängert. Er führt den im TecDax notierten IT-Dienstleister, seit sich der Unternehmensmitgründer Ralf Klenk Ende 2008 zurückgezogen hat.

Eine Woche zuvor hatte Bechtle mit starken Quartalszahlen überrascht. Danach ist der Umsatz zwischen Oktober und Dezember 2012 um fünf Prozent auf 612 Millionen Euro gestiegen. Der Vorsteuergewinn legte im traditionell sehr starken Schlussquartal um acht Prozent auf 28,5 Millionen Euro zu. Dadurch verbesserte sich die Ebit-Marge von 4,5 auf etwa 4,7 Prozent.

Bescheidenes Wachstum

Das Wachstum ist zwar auf den ersten Blick nicht gerade berauschend ausgefallen. Doch das stört die Anleger nicht, solange die Richtung stimmt und das Unternehmen sein Geschäft immer weiter ausbaut. So hat Bechtle im vergangenen Jahr stark ins Ausland expandiert, um seine Abhängigkeit vom deutschen Markt zu reduzieren.

Dafür musste allerdings die Belegschaft massiv aufgestockt werden, um 634 Mitarbeiter. Dadurch ist die Ebit-Marge im Gesamtjahr zwar auf 3,8 Prozent gesunken. Das Betriebsergebnis fiel um acht Prozent auf 79 Millionen Euro während der Umsatz fünf Prozent zulegte.

Starkes viertes Quartal

Die Zahlen des vierten Quartals zeigen aber, dass es sich dabei nicht um ein strukturelles, sondern ein vorübergehendes Problem handelt. Auch deshalb konnte die Aktie danach ein Hoch nach dem anderen erklimmen, bis auf 36,90 Euro, ihr bisheriges Allzeithoch. Damit hat sich das Papier weit von seiner 200-Tage-Linie (bei knapp 31 Euro) entfernt.

Trotzdem hat der TecDax-Titel aus Sicht der Analysten noch Luft nach oben. Sie verweisen darauf, dass das Unternehmen mit einem KGV von derzeit 11,5 eigentlich gar nicht so teuer sei.

Bullische Analysten

Bechtle: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
38.00
Differenz absolut
-0.56
Differenz relativ
-1.45%

So hat jüngst die Berenberg Bank das Kursziel für Bechtle von 47,00 auf 48,50 Euro angehoben. Der IT-Dienstleister habe ein starkes Zahlenwerk zum abgelaufenen Quartal vorgelegt, bei dem der befürchtete Einbruch der IT-Ausgaben im vierten Quartal ausgeblieben sei, schrieb Analystin Alexandra Schlegel. Sie gehe für das laufende Jahr jetzt von einer leicht höheren Vorsteuermarge des Konzerns aus, weswegen sie ihr Kursziel angehoben habe.

Für Andreas Wolf vom Bankhaus Warburg beträgt der faire Wert nun 39 Euro, nach 37 Euro zuvor. Gleichzeitig empfiehlt der Analyst weiter zum Kauf. Die starken Zahlen des IT-Dienstleisters seien Ausdruck der erfolgreichen Strategie, meint er.

Dagegen bleibt Independent Research (“Neutral”) verhalten. Hier stieg das Kursziel zuletzt von 30 auf 36 Euro – was eigentlich nun erreicht wäre. Analyst Markus Friebel sieht für die Aktie nach dem Kurssprung im Anschluss an die Jahreszahlen kein wirkliches Aufwärtspotenzial mehr.

Ehrgeizige Ziele

Tatsächlich könnte es zunächst zu einer Konsolidierung kommen. Mittel- und langfristig hat das Unternehmen aber noch einiges vor, das auch der Aktie neuen Schwung verleihen könnte.

So hat sich der Vorstand das ehrgeizige Ziel gesetzt, den Umsatz bis zum Jahr 2020 auf 5 Milliarden Euro mehr als zu verdoppeln. Gleichzeitig soll die Rendite auf 5,0 Prozent von 3,8 Prozent im letzten Jahr zu erhöhen. Darüber hinaus sollen im Rahmen der "Vision 2020" die Zahl der Mitarbeiter von 6.000 auf 10.000 gesteigert werden.

Ob der Vorstand diese Ziele auch erreichen kann, hängt ganz wesentlich von der Fähigkeit ab, auch in Zukunft die zahlreichen Übernahmen erfolgreich zu integrieren.