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Restrukturieren, fusionieren, kooperieren, kaufen?

Anleger trauen Praktiker einiges zu

Seit Tagen schon steigt die Praktiker-Aktie und Nachrichten gibt es ebenfalls beinahe jeden Tag. Manche Analysten sehen schon wieder die Sonne über der angeschlagenen Baumarktkette aufsteigen – und auch die Anleger werden richtig mutig.

Seit Ende Dezember kennt die Aktie die Richtung vorwärts. Auch am Freitag setzt das Papier den Trend der jüngsten Tage fort. Mit einem Aufschlag von mehr als fünf Prozent auf 1,47 Euro belegen Praktiker den ersten Platz im SDax. Zeitweise hatte die Aktie heute sogar über die Marke von 1,50 Euro gelugt. Rund ein Drittel hat das Papier damit seit dem 28 Dezember zugelegt. Es notiert derzeit wieder auf dem Niveau von Ende Oktober des vergangenen Jahres.

Praktiker: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Und aus technischer Sicht spricht zumindest aktuell nichts dagegen, dass dies so weitergeht. Schließlich ist die 200-Tage-Linie frisch übersprungen, was von technisch interessierten Tradern als Kaufsignal interpretiert wird. Den höchsten Stand der vergangenen zwölf Monate hatte das Papier am 8. Februar 2012 bei 2,54 Euro erreicht. Im August war die Aktie dann sogar unter die Marke von einem Euro gestürzt.

Und was läuft im Unternehmen?

Die aktuelle Nachrichtenlage bezüglich des Konzerns ist derzeit allerdings zumindest etwas undurchsichtig. Am Dienstag hatte Praktiker den Markt mit seinen Zahlen zum Schlussquartal 2012 überzeugt, weil es dem Management gelungen war, den Umsatzrückgang zu bremsen. Insgesamt war der Umsatz 2012 um 5,6 Prozent gefallen.

Praktiker hatte im Herbst wesentliche Teile eines rettenden Finanzierungspakets unter Dach und Fach gebracht. Damit endete vorerst ein heftiger Streit mit den Großaktionären, die das alte Management und die zunächst angepeilten Zugeständnisse an Geldgeber kritisiert hatten.  

Donau Invest und Berenberg Bank garantieren

Mehrere Kreditgeber gewähren nun Darlehen über 75 Millionen Euro. Weitere 60 Millionen hat Praktiker mit einer Kapitalerhöhung erlöst. Die Kapitalerhöhung wurde von Donau Invest und der Privatbank Berenberg garantiert. Die noch fehlenden rund 30 Millionen Euro will Praktiker durch den Verkauf von Baumärkten im Ausland einnehmen. Einen Großteil des Geldes braucht der Baumarktkonzern, um mehr als 100 der zuletzt 220 Praktiker-Märkte im Inland auf Max Bahr umzustellen.

Am Mittwoch teilte Praktiker schließlich mit, dass die Beteiligungsgesellschaft des Unternehmers Alain de Krassny, Donau Invest, nach ihrem Einstieg offenbar einen Großteil seines Aktienpakets an andere Investoren weitergereicht hat. De Krassny kam nach der Kapitalerhöhung im Dezember auf knapp zehn Prozent der Stimmrechte, wie Praktiker am Mittwoch mitteilte. Der von dem österreichischen Investor gezeichnete Anteil entsprach jedoch nach Reuters-Berechnungen mindestens 22 Prozent.

"Es gibt keine Verhandlungen"

Seine Frau Isabella de Krassny verwaltet den zyprischen Investmentfonds Maseltov, der vor der Kapitalerhöhung knapp zehn Prozent an Praktiker gehalten hatte und nun zwischen fünf und zehn Prozent besitzen dürfte. Isabella de Krassny ist Managerin bei der Bank Semper Constantia, die über einen Investmentfonds nach der Kapitalerhöhung weitere gut drei Prozent kontrolliert. Das Wort der Familie Krassny hat bei Praktiker also weiterhin Gewicht.

Und heute hatte das österreichische Nachrichtenmagazin "Format" berichtet, dass die Unternehmensberatung Roland Berger an einer engen Kooperation zwischen Praktiker und dem österreichischen Konkurrenten Baumax bastele. Selbst eine Fusion sei nicht ausgeschlossen. Mittlerweile dementierte ein Insider gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: "Es gibt keine Verhandlungen", sagte er. Seine Feststellung besticht durch eine gewisse Klarheit: "Zwei Kranke ergeben noch keinen Gesunden."

Und was sagen die Fachleute?  

Ob krank oder nicht, einige Analysten hatten sich in diesen Tagen recht optimistisch zur Praktiker-Aktie geäußert. Die besagte Berenberg-Bank hat die Aktie heute direkt von "Sell" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel auf 2,20 Euro verdoppelt – ein imposanter Meinungsumschwung.

Das Analysehaus Warburg Research war nicht ganz so mutig. Warburg stufte von "Sell" auf "Hold" hoch und hob das Kursziel von 1,20 auf 1,40 Euro an. Die in Max Bahr umgewandelten Geschäfte hätten sich gut entwickelt, schrieb Analyst Thilo Kleibauer. Der Experte hob die Prognose für das operative Ergebnis für 2014 an, verwies aber darauf, dass Praktiker abgesehen von den Max-Bahr-Märkten nur begrenztes Gewinnpotenzial habe. Derweil habe der finanzielle Druck nach der Kapitalerhöhung Ende 2012 nachgelassen.

Stand: 11.01.2013, 11:19 Uhr

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