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Luftfahrt

Airbus A400M bei einer Flugvorführung auf der Paris Air Show in Le Bourget

Rekordaufträge und Gewinnplus

Airbus im Rekordfieber

Stand: 24.02.2016, 09:31 Uhr

Die Geschäfte laufen gut, und dank Rekordaufträgen wird sich das auch nicht ändern. Und doch geht Airbus in diesem Jahr nur von mauen Gewinnen aus. Das Hochfahren der Produktion neuer Jetserien knabbert am Ergebnis.

Es läuft eigentlich ganz gut für Airbus. Die Flugzeugverkäufe sind gestiegen im vergangenen Jahr, die Gewinne ebenfalls. Insgesamt kletterten die Einnahmen der Toulouser 2015 binnen Jahresfrist um acht Prozent auf 64 Milliarden Euro, der Überschuss sogar um 15 Prozent auf rund 2,7 Milliarden Euro.

Die Aktionäre werden an den guten Gewinne beteiligt: Sie erhalten für 2015 eine Dividende von 1,30 je Anteilsschein, zehn Cent mehr als im Jahr davor. Und selbst der Militärtransporter A400M, dessen lahemende Produktion dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern im ersten Halbjahr 2015 noch hohe Sonderlasten einbrockte, machte zum Schluss weniger Ärger.

Und doch hatten sich Analysten etwas mehr erhofft. Die Aktie von Airbus begann zum regulären Handelsstart im Plus, driftete dann aber wieder in negatives Terrain.

Auslieferungen auf Rekord

Den kräftigen Anstieg beim Gewinn verdankt Airbus Group einem niedrigeren Steuersatz, dem Verkauf von Anteilen am französischen Luftfahrtkonzern Dassault sowie der Tatsache, dass die Probleme mit dem A400M mit 290 Millionen Euro weniger teuer zu Buche schlugen als im Vorjahr. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern (Ebit) und Sondereffekten lag bei 4,1 Milliarden Euro und damit nur zwei Prozent über dem Vorjahr.

Vorstandschef Tom Enders ist aber zufrieden mit dem abgelaufenen Jahr. Der Riesenflieger A380 werfe erstmals in seiner Produktionsgeschichte Gewinn ab, die Einführung des modernisierten Mittelstreckenmodell A320neo verlaufe nach Plan und vom neuen Langstreckenflieger A350 seien bereits 14 Maschinen ausgeliefert worden. Außerdem sei der Abwärtstrend im Rüstungs- und Raumfahrtgeschäft unterbrochen, die Auftragslage habe sich zuletzt wieder gebessert.

»Wir werden unser Augenmerk auch künftig auf das Programmmanagement und die Bewältigung der Herausforderungen richten, die mit der Beschleunigung des A350- und A400M-Hochlaufs sowie dem Übergang zur A320neo-Version einhergehen.«

Tom Enders

Neue Rekorde in Sicht

Airbus A320neo (Quelle: Unternehmen)

Airbus A320neo A 320 neo.

Enders hält die selbstgestecktem Ziele für erfüllt und erneuerte seine Prognosen: "Wir bestätigen unseren Ausblick für 2016 und darüber hinaus." 2016 will Airbus insgesamt 650 Flugzeuge ausliefern, im vergangenen Jahr war mit 635 Stück bereits ein Rekord erzielt worden. Bei den Zivilflugzeugen wird zudem ein weiterer Anstieg des Auftragsbestands erwartet. Der Konzern verfügt erstmals über einen Rekordauftragsbestand von einer Billion Euro.

»Der Rekord-Auftragsbestand unterstützt unsere Pläne, die Kapazitäten in der Zivilflugzeugproduktion zu erhöhen.«

Tom Enders

Doch auf der Gewinnseite sieht es mau aus. Denn Airbus fährt derzeit die Produktion seines vor gut einem Jahr erstmals ausgelieferten Großraumjets A350 hoch. Und mit neuen Flugzeugmodellen schreiben die Hersteller in den ersten Jahren meist Verluste. Daher geht Airbus für das laufende Geschäftsjahr nur von einem stagnierenden Betriebsergebnis von rund 4,1 Milliarden Euro aus.

Spritsparer als Verkaufsschlager

Airbus will außerdem die zwischenzeitlich gedrosselte Produktion seines über 20 Jahre alten Langstreckentyps A330 ab dem kommenden Jahr wieder von sechs auf sieben Maschinen pro Monat hochfahren. Für Ende 2017 ist dann die Auslieferung der spritsparenden Neuauflage A330neo geplant.

Der A330 galt im Konzern als sicherer Gewinnbringer, die Neuauflage soll dem Flieger eine zweite Jugend bescheren. Vorbild sind dabei die Mittelstreckenjets aus der A320neo-Familie. Die modernisierte Version der seit den 1980er Jahren produzierten A320 hat sich binnen kürzester Zeit zum Verkaufsschlager entwickelt. Airbus hat Bestellungen für rund 4.500 Maschinen in den verschieden langen Versionen A319neo, A320neo und A321neo in den Büchern. Wegen der großen Nachfrage weitet der Hersteller die Produktion bis Mitte 2019 von derzeit über 42 auf dann 60 Maschinen aus.

bs

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