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Luftfahrt

Stewardessen von Air Berlin posieren neben Kolleginnen von der Fluggesellschaft Etihad Airways

Gemeinschaftsflüge mit Etihad

Air Berlin muss sich (noch) nicht trennen

Stand: 15.01.2016, 11:59 Uhr

Die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin darf weiterhin Gemeinschaftsflüge mit der arabischen Airline Etihad ausrichten. Das hat ein Gericht entschieden. Allerdings ist die Schonfrist nicht allzu lang.

Das Oberlandesgericht Lüneburg hat entschieden: Air Berlin und Etihad dürfen noch bis Ende März Gemeinschaftsflüge auf umstrittenen Strecken durchführen - abgesehen von fünf Ausnahmen.

Das gab der Air Berlin-Aktie, die in den vergangenen Monaten zum Penny Stock verkommen ist, deutlich Auftrieb. Der Kurs stieg um fast 3,5 Prozent am Vormittag.

Codesharing- was ist das denn?

Die beiden Airlines haben gewissermaßen eine Allianz gebildet: Sie teilen sich Linienflüge.

Der Vorteil: Etihad kann seinen Kunden mehr Strecken anbieten - auch, wenn sie selbst die Flüge gar nicht durchführen, sondern Air Berlin. Und Air Berlin bekommt seine nicht ausgelasteten Flugzeuge voll, da neben den eigenen Passagieren noch die Etihad-Kunden mit dabei sind.

Was bedeutet die Gemeinschaft für die beiden Airlines?

Für Air Berlin hat die Verbindung ziu Etihad eine grundlegende Bedeutung: Die Araber besitzen knapp 30 Prozent der Anteile an den Berlinern. Die angeschlagene Fluggesellschaft ist auf das Geld von Etihad angewiesen.

Etihad hat indes häufiger betont, dass die Attraktivität der Kooperation stark sinken würde, wenn man keine gemeinsamen Flüge mehr durchführen kann.

Umstrittene Allianzen

Zwar ist das Codesharing-Verfahren gängige Praxis unter den Luftfahrt-Unternehmen, die Allianz zwischen Air Berlin und Etihad ist allerdings umstritten. Vor allem die Konkurrenz stört es, dass Etihad und Air Berlin eine starke Kooperation miteinander eingegangen sind.

Da ist es ein gefundenes Fressen, dass nicht alle Flüge von Deutschland in die Vereinigten Arabischen Emiraten unter das sogenannte Luftverkehrsabkommen fallen. Das Abkommen regelt die Verkehrsrechte von zwei Staaten, zwischen denen Linienflüge stattfinden.

Umstritten sind insgesamt 31 der 83 Verbindungen, die von den Flughäfen Berlin, Stuttgart und Nürnberg aus in die VAE geflogen werden. Die Verbindungen von Flughäfen wie Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg und München sind unproblematisch und fallen dagegen unter das Luftverkehrsabkommen.

Das Urteil

Das Luftfahrtbundesamt hatte die Durchführung der umstrittenen Flüge bis zum 15. Januar genehmigt. Dagegen war Etihad vor das Lüneburger Gericht gezogen.

Das hat nun 26 von den umstrittenen Strecken bis zum 26. März abgesegnet. Für fünf innerdeutsche Verbindungen haben die Araber keine Genehmigung für Codesharing-Flüge bekommen.

Das Gericht erklärte, dass Etihad durchaus berechtigt sei, Codesharing-Flüge von Berlin, Stuttgart und Lüneburg ins Ausland anzubieten. Allerdings teilte das Oberverwaltungsgericht nicht die Auffassung, dass Etihad auch auf innerdeutschen Verbindungen Gemeinschaftsflüge von beispielsweise Stuttgart nach Berlin durchführen darf.

Aber was dann?

Bleibt nur die Frage, was nach dem 26. März passiert. Etihad rechnet damit, dass die Flüge auch für die kommende Sommersaison genehmigt werden - das folge aus der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts in Lüneburg.

Die Auslegung des Luftverkehrsabkommen durch das Gericht bedeute, "dass es Etihad Airways möglich sein wird, diese Codeshare-Verbindungen auch über den Winterflugplan hinaus durchzuführen".

cw

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