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Versicherer

Eingang zu einem AIG-Gebäude in New York

Schon wieder rote Zahlen

AIG: Im Würgegriff der Geierfonds

Stand: 12.02.2016, 08:50 Uhr

Was ist nur bei AIG los? In der Finanzkrise musste Amerikas größter Versicherer vom Staat gerettet werden, schrieb danach aber wieder Gewinne. Nun sind erneut Verluste entstanden - vor allem wegen Forderungen der Großinvestoren.

Unter dem Strich ist im vierten Quartal ein Verlust von 1,8 Milliarden Dollar entstanden, nach einem Gewinn von 655 Millionen Dollar im gleichen Vorjahreszeitraum. AIG führt den Fehlbetrag unter anderem auf die niedrigen Zinsen zurück. So seien allein die Nettokaptialerträge um rund 34 Prozent auf 730 Millionen Dollar gefallen.

Der Großteil der Verluste ist nach AIG-Angaben durch den von Großinvestor Carl Icahn geforderten Umbau entstanden. Tatsächlich hat der Konzern im Dezember zunächst die Führungsspitze umgebaut. Finanzchef David Herzog und drei weitere Top-Manager haben das Unternehmen verlassen. Auch hat AIG begonnen, die Verwaltung zu straffen und sich von unrentablen Randbereichen zu trennen.

Unter Druck von Icahn und Paulson

Denn der Versicherer steht erheblich unter dem Druck der aktivistischen Hedgefondsmanager Carl Icahn und John Paulson. Sie halten den Konzern für viel zu groß und schlecht strukturiert, um Gewinne zu machen. Dass dies trotz der Größe geht, hat AIG zwar in der Vergangenheit längst bewiesen, doch den aggressiven Investoren ist ein Gewinn wie zuletzt von 0,93 US-Cent je Aktie nicht genug.

In einem ersten Schritt hat AIG nun angekündigt, trotz des Quartalsverlustes in großem Stil eigene Aktien zurückzukaufen. Dafür sind fünf Milliarden Dollar vorgesehen. Zudem soll die vierteljährliche Dividende um 14 Prozent auf 32 US-Cent angehoben werden.

Mehr Ausschüttungen, weniger Ausgaben

Diese Maßnahme ist Teil eines im Januar verkündeten Plans in den kommenden zwei Jahren mindestens 25 Milliarden Dollar an die Anteilseigner auszuschütten. Gleichzeitig sollen die Ausgaben in diesem Zeitraum um 1,6 Milliarden Dollar gesenkt werden.

Zudem gab AIG bekannt, dass Investor Carl Icahn, der offiziell vier Prozent der Anteile an dem Konzern hält, einen Vertreter in das AIG-Direktorium entsendet. Außerdem zieht der Milliardär John Paulson von der Investmentgesellschaft Paulson & Co dort ein.

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Netflix

Ein besonders glückliches Händchen bewies Carl Icahn beim Einstieg in den Online-Videodienst Netflix. 2012 kaufte der Milliardär die Aktien des Online-Streaming-Dienstes für gerade einmal 53 Dollar das Stück. Ende 2013 verkaufte er die Hälfte seiner Aktien für das Siebenfache und machte damit rund 800 Millionen Dollar Gewinn. Am 24. Juni 2015 verkündete er per Twitter, seine letzten Aktien verkauft zu haben. Der Netflix-Kurs an diesem Tag: 690 Dollar.

AIG aufspalten

Icahn hatte Ende vergangenen Jahres gefordert, dass der Konzern in drei getrennte und an der Börse gehandelte Bereiche zerlegt werden soll. So kann nach Einschätzung des Investors verhindert werden, dass die US-Regierung den Konzern als für die Finanzstabilität riskantes Unternehmen - also als "too big to fail" - einstuft. Außerdem verlangt Icahn, der AIG-Großaktionär ist, eine stärkere Kostenkontrolle.

lg

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