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Aktien

Vodafone wirft den Hut in den Ring

87 Euro je Kabel-Aktie

Die Übernahmeschlacht um den Kabelanbieter aus dem MDax geht in ihre entscheidende Phase. Vodafone macht Nägel mit Köpfen und bietet offiziell 87 Euro je Aktie.

Zwei Kabel liegen auf dem Logo Kabel Deutschland

Dies teilte der britische Mobilfunk-Konzern am Morgen mit und bestätigte damit eine Meldung der Nachrichtenagentur "Reuters" vom Vorabend.

Die Briten bieten danach 84,50 Euro je Aktie in bar zuzüglich der Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr 2012/13 von 2,50 Euro. Damit ist der Konzern mit 7,7 Milliarden Euro bewertet. Hinzu kommen noch einmal drei Milliarden Euro Schulden, so dass das Paket insgesamt 10,7 Milliarden Euro schwer ist. Dies wäre der teuerste Firmenkauf in Europa in diesem Jahr bisher und seit dem Jahr 2007 überhaupt.

Vodafone würde damit nach 13 Jahren mit einem spektakulären Kauf in Deutschland wieder auf sich aufmerksam machen. Im Jahr 2000 übernahmen sie in einem dramatischen Übernahmeprozess die damalige Mannesmann AG mit ihrem Mobilfunknetz D2. Heute gilt Vodafone als Hauptkonkurrent der Deutschen Telekom, dessen Vorgänger, die "Deutsche Bundespost" das Kabelnetz in Deutschland einst aufgebaut hatte. Wirklich in trockenen Tüchern ist das Geschäft aber erst, wenn Vodafone mehr als 75 Prozent der Aktien angedient werden.

Kabel-Management stimmt zu

Bei Kabel Deutschland haben sich Vorstand und Aufsichtsrat hinter das Angebot gestellt. "Gemeinsam haben wir die Chance, der führende Telekommunikations- und TV-Anbieter in Deutschland zu werden und eine einzigartige schlagkräftige Kombination aus Festnetz und Mobilfunk zu schaffen", erklärte Vorstandschef Adrian von Hammerstein am Montag.

"Es geht um Wachstum", sagte derweil Vodafone-Chef Vittorio Colao. Der Charme eines Breitband-Kablenetzes liegt für Vodafone darin, dass den Kunden neben Kabelfernsehen auch Telefonie und Internet zusammen angeboten können.

Schon alles vorbei?

Vodafone hatte bereits Mitte Juni sein Interesse an Kabel Deutschland bekundet. Nach dem heutigen offiziellen Angebot liegt der Ball nun im Feld des US-Konzerns Liberty Global, der nach Presseinformationen ebenfalls an Kabel Deutschland interessiert ist und 85 Euro je Aktie bietet.

Liberty Global versorgt mit seiner Kabelgesellschaft Unity Media drei Bundesländer (Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg) mit Kabelfernsehprogrammen. Die Amerikaner hatten mit ihrem Angebot Vodafone unter Zugzwang gesetzt, das zunächst 81 Euro je Aktie geboten hatte.

Allerdings werden Vodafone die besseren Chancen eingeräumt, vor allem auch aus kartellrechtlichen Gründen. "Die Vodafone-Offerte hat eine größere Chance als jedes Angebot von Liberty, weil sie in bar ist und keine Kartellhürden zu überwinden hat", sagte ein Fondsmanager.

Hinter dem Konzern steht der US-Milliardär und Medienmogul John Malone, ein Hauptrivale von Rupert Murdoch mit seiner News Corp, der unter anderem den Bezahlfernsehsender Sky Deutschland, ebenfalls aus dem MDax, kontrolliert.

Aktie ganz oben

Die Übernahmefantasie hat den Börsenwert der Kabel-Deutschland-Aktie seit Februar um rund 1,8 Milliarden Euro nach oben getrieben. Beim aktuellen Kurs über 85 Euro setzen die Anleger immer noch darauf, dass das Angebot noch erhöht wird. Die Aktie ist in einem schwachen Gesamtmarkt auch einziger Gewinner im MDax.

Das Papier war im März 2010 zu 22 Euro an den Markt gekommen, so dass diejenigen, die das Papier seitdem halten, ihr Geld fast vervierfachen können. Zusätzlich zur Dividende, versteht sich. Am Donnerstag legt Kabel dann noch seine Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vor.

rm

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