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Dax-Schwergewicht knickt ein

Siemens: Gewinnwarnung schockt Anleger

Weiterer Rückschlag für Siemens: Der Konzern gibt sein Renditeziel für 2014 vorzeitig auf. Die Anleger reagieren entsetzt, die Aktie stürzt ab.

Dunkle Wolken hinter einem Siemens-Schriftzug an einem Siemens in München

Mit einem Minus von fast acht Prozent markiert das Papier bei 77,27 Euro den tiefsten Stand des Tages. Das Dax-Schwergewicht zieht gemeinsam mit BASF den gesamten Index tief in die Verlustzone.

Eine operative Marge von zwölf Prozent sei bis 2014 nicht erreichbar, teilten die Münchner am Donnerstag zunächst ohne weitere Begründung mit. "Die strukturellen Maßnahmen zur Portfoliooptimierung und Kostensenkung sind weitestgehend auf Kurs", hieß es weiter in der ziemlich knappen Mitteilung.

"Panikwelle aussitzen"

Das ist nicht die erste schlechte Nachricht für die Investoren. Erst Anfang Mai hatte Konzernchef Peter Löscher die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr 2012/13 (30. September) zurückschrauben müssen.

Ein Experte hielt die aktuelle Gewinnwarnung für "nicht so überraschend". Der Konzern habe immer betont, dass es auch einer Volumenerholung bedürfe, was der Konsens aber bislang nicht beachten wollte. Er rät, die nun folgende "Panikwelle" auszusitzen, und dann einzusteigen.

Ein Sparprogramm namens "Siemens 2014"

Siemens-Chef Peter Löscher wollte durch Stellenabbau und den Verkauf von wenig rentablen Sparten bis 2014 den Konzern eigentlich wieder vor die Konkurrenz bringen. Teil des Programms ist zum einen die Umorganisation der Unternehmensbereiche und das sogenannte CEO-Prinzip, das eine klarere Verantwortung bei den Geschäften bringen soll.

Ferner sind Tausende Stellenstreichungen und der Verkauf von Sparten geplant. Von den geplanten Einsparungen im Volumen von sechs Milliarden Euro habe Siemens bereits rund eine Milliarde realisiert, sagte er vor gut vier Wochen.

Bewegte Geschichte

Der Konzern will sich künftig auf Energietechnik, Industrie, Infrastruktur und Gesundheitswesen konzentrieren. Das als Telegraphen-Bau-Anstalt gestartete Technologieunternehmen hat sich im Laufe seiner gut 165-jährigen Geschichte immer wieder von Geschäftsfeldern getrennt, auch um Geld zu sparen. Zeitweise hatte Siemens Mobiltelefone, Automobilelektronik oder Speicherchips im Angebot.

Den Halbleiterhersteller Infineon gliederte Siemens um die Jahrtausendwende aus. Osram wurde vor wenigen Wochen an die Börse gebracht. Den Anteil am Gemeinschaftsunternehmen NSN verkaufte Siemens kürzlich. Außerdem hatte das Unternehmen vor einigen Monaten das Solargeschäft dicht gemacht.

Spannung vor der Quartalszahlen

Peter Löscher Siemens

Peter Löscher, seit 2007 der Boss von Siemens

Der Siemens-Konzern wird seine Zahlen zum dritten Quartal am Donnerstag, den 1. August, präsentieren. Siemens-Chef Löscher dürfte langsam unter Druck geraten: Nachdem er sich in seiner Amtszeit seit 2007 mittlerweile zum sechsten Mal verschätzt hat, könnte es durchaus sein, dass im der Aufsichtsrat bei der Sitzung am Mittwoch unangenmehme Fragen stellt. Unter Druck stand er schon wegen zahlreicher verpatzter Großprojekte, die auch wieder das abgelaufene Quartal belastet haben dürften.

Immerhin hat die Konkurrenz auch zu kämpfen. Die Rivalen ABB und Alstom zeigten sich zuletzt wegen ausbleibender Großaufträge ebenfalls skeptisch über die Zukunftsentwicklung.

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