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Aktien und Euro haussieren
Anleger kennen nach ESM-Urteil kein Halten mehr
Selten dürften Juristen die Kurse an den Börsen so bewegt haben wie an diesem Mittwoch. Das Bundesverfassungsgericht hat grünes Licht für den europäischen Rettungsschirm ESM gegeben. Das treibt den Dax auf ein neues 14-Monats-Hoch.
Haben den Markt ordentlich bewegt: die Karlsruher Verfassungsrichter
In einer ersten Reaktion auf das Karlsruher Urteil konnte der deutsche Leitindex bis zu 1,3 Prozent auf 7.410 Punkte zulegen. Bis zum Nachmittag hat er zwar einen Teil seiner Gewinne wieder eingebüßt, notiert aber weiterhin komfortabel in der Gewinnzone. Europaweit konnten die Aktienmärkte kräftige Kursgewinne verzeichnen. Der europäische EuroStoxx50 gewann bis zu 1,15 Prozent.
Besonders deutlich kletterten die Börsen in Spanien und Italien – der Ibex in Madrid stieg in der Spitze um 1,8 Prozent, der Leitindex in Mailand um 1,7 Prozent. An der Börse in Athen ging es sogar um fünf Prozent aufwärts. Europaweit standen vor allem Bankaktien auf den Kauflisten der Anleger.
Euro von Karlsruher Urteil beflügelt
Das Urteil der Bundesverfassungsrichter hat auch dem Euro kräftigen Schub verleihen. Die Gemeinschaftswährung kletterte um fast einen US-Cent auf 1,2936 Dollar und notierte damit so hoch wie seit Mitte Mai nicht mehr. Dabei profitierte der Euro auch vom schwachen Dollar.
Der Greenback war bei vielen Investoren wegen der hohen Verschuldung der USA und der expansiven Geldpolitik der US-Notenbank in Ungnade gefallen.
Riskante Staatsanleihen wieder gefragt
Der gestiegene Risikoappetit der Anleger spiegelte sich unterdessen auch am Rentenmarkt wider, Staatsanleihen der hoch verschuldeten Euro-Länder Spanien und Italien waren verstärkt gefragt. Verkauft wurden dagegen die noch als "sicherer Hafen" geltenden deutschen Staatsanleihen.
"Das ist ein guter Tag für die Euro-Zone", kommentierte der Deutschland-Chefvolkswirt der UniCredit, Andreas Rees, das Urteil. "Sie erhält jetzt einen zweiten wichtigen Stützpfeiler in ihrer Architektur - mit dem ESM und Fiskalpakt auf der einen Seite sowie den EZB-Anleihenkäufen auf der anderen Seite."
Schulden machen wird teurer
Allerdings musste Deutschland nach dem Urteil des BVG höhere Zinsen für frisches Geld zahlen. Die Versteigerung von Bundesobligationen mit fünfjähriger Laufzeit spülte knapp vier Milliarden Euro in die Staatskasse, wie die Finanzagentur am Mittwoch mitteilte. Die Durchschnittsrendite verdoppelte sich nahezu auf 0,61 Prozent. Im August war sie noch auf das Rekordtief von 0,31 Prozent gefallen.
Muss sich Deutschland nun künftig auf steigende Zinsen für seine Schulden einstellen? Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, glaubt ja. Schließlich dürfte das Urteil zu einer "Haftungsunion" führen. "Die unterliegenden Probleme der Peripherieländer dürften in einer 'italienischen Währungsunion nur übertüncht, jedoch nicht gelöst werden."
Gold erklimmt Sechs-Monats-Hoch
Dieses Krisenszenario findet am Rohstoffmarkt seinen Widerhall. So markiert der Goldpreis mit 1.746,20 Dollar je Feinunze ein Sechs-Monats-Hoch. Kein Wunder, dürften doch die Euro-Rettungsmaßnahmen in Verbund mit weiteren geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen mittel- bis langfristig die Inflation anheizen. Gold sollte davon als wertstabile Anlage und alternative Währung profitieren.
Am Markt wird derzeit fest damit gerechnet, dass die Fed in Anschluss an ihre Ratssitzung am Donnerstag eine weitere Lockerung der Geldpolitik, im Finanzjargon QE3 genannt, bekannt geben wird.
Stand: 12.09.2012, 15:01 Uhr